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Ich habe nichts zu verbergen!

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Wer kennt ihn nicht, den Spruch, man habe ja nichts zu verbergen, und deshalb sei es kein Problem, überwacht zu werden. Sei es Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung o.Ä.

Auf dieser Seite sollen Gegenstrategien genau gegen dieses beliebte Argument gesammelt werden. Jeder darf (und soll ;) mitmachen. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Seiten Argumentation und Analogien.

Dieser Artikel ist von Trias, Bearbeitungen sehe ich aber sehr gerne.

Inhaltsverzeichnis

Gegenargumente

Wer anderen das Recht auf Privatsphäre abspricht verhält sich unsolidarisch

Es gehört zu den Freiheiten jeden Bürgers, Daten über sich preiszugeben. Zum Beispiel um Freunden auf Social Networks zu sagen, wann man Geburtstag hat (Informationelle Selbstbestimmung). Dies ist ein Informationsrecht. Daraus erschließt sich aber keine Informationspflicht. Es ist also nicht in Ordnung, dass, wenn man sagt, "meine Daten kann der Staat haben", dass andere das auch tun müssen. Dies ist unsolidarisch.

Am Besten erklärt das Constanze Kurz: http://www.youtube.com/watch?v=er0ExuM-kPQ

Jeder Mensch macht Fehler

Diese Erkenntnis ist schon eine recht Alte. Die Bibel erzählt von einer Geschichte, bei der derjenige den ersten Stein auf eine Sünderin werfen solle, der fehlerfrei ist. Niemand hat geworfen. (Man verzeihe mir dieses biblische Beispiel. Auch wer nicht christlich ist, sollte verstehen was gemeint ist.)

Wenn wir eine Gesellschaft errichten, in der jeder Fehler veröffentlicht wird und verfolgt wird, wird keiner sich mehr was trauen. Es könnte keiner mehr für ein wichtiges politisches Amt kandidieren, ohne dass das gesamte Privatleben durchleuchtet wird nach "dunklen Flecken" — es sei denn, man hat genügend Geld um die richtigen Leute zu bestechen oder gefügig zu machen.

In Amerika ist man in dieser Hinsicht noch extremer als in Deutschland. Dort sieht man auch, dass es bei praktisch jedem Menschen, sei er auch noch so integer, dunkle Flecken gibt, und seien sie auch nur vom politischen Gegner aufgebauscht, verzerrt oder ganz einfach erlogen.

Jeder Mensch hat eine natürliche Privatsphäre (Intimsphäre)

Kein Mensch mag es, wenn jemand im Gespräch einem zu nah "auf die Leber rückt". Kein Mensch mag es, wenn sich ein Fremder von hinten über die Schulter beugt und ein Buch mitliest. Kein Mensch mag es, wenn ihn irgendjemand anfasst, ohne dass man ihm die (implizite) Erlaubnis dazu gegeben hat.

Viele Gesetze wirken genau in diese Intimsphäre rein, ohne dass uns das bewusst ist. Die Technik von heute macht es möglich dies leise und unbemerkt zu tun. Das heißt jedoch nicht, dass der Verstoß gegen die Intimsphäre weniger schwer wäre, sondern vielmehr, dass unser Gehirn nicht darauf trainiert ist, zum Beispiel Kameraüberwachung per se als unangenehm zu empfinden, auch wenn es äquivalent oder sogar noch schlimmer ist, als wenn jemand einer dauernd hinterherläuft und protokolliert, was sie so machen.

Jeder Mensch hat Dinge, die man nur mit Freunden teilt

Über seine Freunde weiß man oft Dinge, die man nicht jedem x-beliebigen weitererzählen sollte, zum Beispiel Informationen über Krankheiten, Arbeitsplatz, Beziehungen, Vorlieben, Macken, Vermögensverhältnisse, etc. Wer dies dennoch tut, läuft in die Gefahr die Freundschaft zu verlieren. Diese sensiblen Daten sollte man daher nicht unüberlegt herausgeben. Wenn der Staat diese Daten präventiv erhebt, verliert man die Kontrolle über diese Daten. Es ist daher zu befürchten, dass eine Gesellschaft, die sich überwacht, einen Konformitätsdruck erzeugt, der kreative und neue Ideen abtötet.

Private Daten haben einen Wert

Unternehmen verwenden viel Zeit und Geld darauf, möglichst viel über ihre Kunden herauszufinden. Wer die Daten kostenlos herausgibt, macht einfach einen schlechten Deal...

Aber nicht nur das, er macht sich auch manipulierbar. Da Firmen ein sehr genaues Persönlichkeitsprofil erstellen können, können sie den Kunden passgenaue Werbung zuschicken. Diese wirkt immer manipulierend, auch wenn vielen Menschen das gar nicht bewusst ist. So sagen zum Beispiel Werber, dass nach eine Werbekampagne die Verkaufszahlen steigen, bei Kundenbefragungen aber Kunden Werbung als nicht relevant für ihre Kaufentscheidung einschätzen. Das ist Manipulation und dagegen sollte man sich wehren.

Sollte diese Datenmacht dem Staat übergeben werden, drohen mit der heutigen Technik noch viel schlimmere Gefahren.

Eine Demokratie funktioniert nur, wenn die Bürger grundlegende Rechte haben, z.B. Privatsphäre

Schon die Amerikaner, Errichter der ersten modernen Demokratie, haben — beeinflusst durch die Vordenker der Aufklärung — dem Bürger grundlegende Rechte zuerkannt, die die Monarchien in Europa ihren Bürgern nicht zugestanden. Darunter zum Beispiel das Recht auf freie Meinungsäußerung und vielfältige Abwehrrechte der Bürger gegen ihren eigenen (!) Staat. Die Geschichte hat gezeigt, dass Demokratien nur dann überlebt haben, wenn diese Rechte der Bürger nicht eingeschränkt werden.

Deshalb ist Privatsphäre und Datenarmut (des Staates und der Unternehmen) der beste Weg, um unsere Demokratie zu schützen.

Umkehrung des Transparenzgebotes

In einem demokratischen Staat sollte der Bürger die Möglichkeit haben die Bürokratie zu kontrollieren. Dies schützt den Bürger zum Beispiel vor Korruption, Vetternwirtschaft, Filz und anderen Unliebsamkeiten. Wenn der Staat aber den Bürger kontrolliert (zu "seinem Schutz"), dreht sich der Spieß um. Wenn der Bürger sich überwachen lässt, vertraut er eine große Verantwortung an die Bürokratie an. Der Bürger hat immer weniger die Möglichkeit, Fehlentwicklungen wie zum Beispiel Verbürokratisierung, Machtmissbrauch oder einfach sinnlose Gesetze anzuprangern.

Eine Überwachungskultur ist in Gesetz gegossenes Misstrauen

Wenn Menschen sich (ungerechtfertigterweise) misstrauen, funktionieren viele Dinge schlechter, als sie eigentlich laufen sollten.

Eine Gesellschaft, in der der Staat den Bürgern misstraut, wird zur Entrechtung der Bürger führen.

Kleines Beispiel: Wenn ihre Bank ihnen misstraut, bekommen sie nur einen schlechten Zinssatz, wenn überhaupt. Würde die Bank niemanden vertrauen, würde unsere Wirtschaft nicht funktionieren. Auch ein Staat benötigt Vertrauen, keine Überwachung. Tatsächlich stammt das Wort 'Kredit' vom lateinischen credere = vertrauen.

Datensparsamkeit ist Risikominimierung

Ein großes Ziel der Politik ist Risikominimierung. So wurden zum Beispiel Maßnahmen gegen Acrylamid in Pommes und Feinstaub auf den Straßen beschlossen, obwohl es keine Studie gibt, die beweist, dass diese Sachen schädlich sind, sondern nur, dass sie es sein könnten.

Auch große Datenmengen stellen ein Risiko dar. Sie können zum Beispiel Kriminellen in die Hände fallen oder einfach so durch Fehler veröffentlicht werden. Warum dies problematisch ist, habe ich oben schon erläutert. Die beste Risikovermeidungsstrategie ist also, diese Daten gar nicht erst zu erheben, oder nur unter ganz besonderen Umständen.

Privatsphäre ist notwendig zur Bildung einer Persönlichkeit

Kinder, deren Leben vollständig von ihren Eltern verwaltet und kontrolliert werden, lernen nie selbstständig zu denken. Nur wenn sie eigene Entscheidungen treffen müssen, können sie Selbstständigkeit entwickeln.

Auch für Erwachsene ist dieser Effekt wirksam. Wird man als Erwachsener (vom Staat) in seinem Privatleben überwacht, ist man darauf bedacht, sich möglichst "korrekt" (beziehungsweise entsprechend den Standards der Herrschenden oder "Sitten") zu verhalten ("vorauseilender Gehorsam"). Das führt zu einer Schweigespirale, in der niemand mehr sagen kann, was er eigentlich denkt, weil er glaubt, das würde von der Gesellschaft negativ aufgefasst. Damit verlieren wir Teile unserer Persönlichkeit, ohne es zu bemerken oder das zu wollen. Gesellschaftliche Veränderung wird so unmöglich und es wird schlimmstenfalls erleichtert, ein antidemokratischen Regime zu etablieren.

Niemand ist allwissend

In Deutschland gibt es eine große Vielzahl an Gesetzen, die alle die verschiedensten Bereiche unseres Lebens abdecken. Das ist zunächst einmal positiv, denn Gesetze erlauben das Zusammenleben und die Bestrafung von Leuten, die sich nicht an diese Gesetze halten. Jedoch ist es niemanden zuzumuten, all diese Gesetze zu kennen. Nichtmal Spezialisten, die Juristen, kennen sich in allen Fachbereichen aus. Und selbst die Gerichte sind sich untereinander nicht in allen Fällen einig, was rechtens ist und was nicht. Ein binäres Verständnis von rechtens und nicht rechtens ist daher nicht möglich.

Wer also behauptet, nichts zu verbergen zu haben, ist sich vielleicht gar nicht bewusst, dass er was verbirgt.

Wissen ist Macht

Wenn man das Sprichwort "Wissen ist Macht" wörtlich nimmt, ist es geradezu undemokratisch, seine Daten preiszugeben. In Deutschland ist das Volk (= die Bürger) der Souverän, nicht die Regierung. Der Bürger sollte also möglichst viel über die Regierung wissen (da er der Souverän ist) und nicht die Regierung über den Bürger.

Wer nichts zu verbergen hat, kann sich nicht mehr ändern

Wer all seine privaten Details veröffentlicht hat, hat es schwerer sich zu verändern. Durch die Erwartungshaltung der Umstehenden wird man immer dazu gezwungen, dieser auch zu entsprechen. Dies kann mit ein Grund dafür sein, warum viele "Stars" sich so sonderbar verhalten, weil sie wissen, dass ihr gesamtes Leben in der Boulevard-Presse breitgetreten wird. Auf Dauer kann der Mangel an Privatsphäre einen Menschen zerstören.

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